Feuchtkugeltemperatur einfach erklärt

Warum die Feuchtkugeltemperatur ein guter Frühindikator für Hitzestress ist. Relevant für Arbeitsschutz, Energie, Landwirtschaft, Sport und Stadtplanung.

Definition: niedrigste Temperatur, die Luft durch Verdunstung erreichen kann. Hohe Luftfeuchtigkeit bremst Verdunstung. Die Feuchtkugeltemperatur steigt.
Gesundheit: zeigt, wie gut der Körper über Schweiß kühlen kann. Hohe Werte bedeuten hohe Belastung.
Schwellen: unter 28 °C meist moderat, 28 bis 30 °C kritisch, ab 30 °C sehr kritisch. Rund 35 °C gilt als Grenze ohne aktive Kühlung.
Praxis: Grundlage vieler Hitzestress-Indizes wie dem WBGT-Index. Sehr gut für Planung und Tagessteuerung geeignet.

Was ist die Feuchtkugeltemperatur

Sie ist die Temperatur, auf die ein Thermometer mit nassem Docht bei Luftumströmung abkühlt. Das ist das physikalische Limit der Verdunstungskühlung. Je trockener die Luft, desto stärker kühlt sie durch Verdunstung ab und desto niedriger ist die Feuchtkugeltemperatur im Vergleich zur Lufttemperatur. Bei feuchter Luft liegen beide Werte nahe beieinander. Dann steigt die Hitzebelastung für Menschen, Tiere und Anlagen.

Abgrenzung
  • Lufttemperatur misst ein trockenes Thermometer.
  • Relative Luftfeuchte zeigt, wie nahe die Luft an der Sättigung ist.
  • WBGT-Index: Sicherheitsindex auf Basis der Feuchtkugeltemperatur plus Strahlung und Wind.
  • Gefühlte Temperatur wie Heat Index oder Humidex: eher für Freizeit und Alltag.
Warum das zählt
  • Der Körper kühlt über Schweiß. Bei hoher Feuchtkugeltemperatur klappt das schlechter.
  • Verdunstungskühlung in Prozessen stößt an Grenzen, wenn der Wert steigt.
  • Der Wert ist gut vergleichbar. Ideal für Schwellenwerte und Alarme.

Warum wichtig

Menschen
Steigt die Feuchtkugeltemperatur, steigt das Risiko für Erschöpfung, Hitzekrämpfe und Hitzschlag.
Technik
Kühlgrenzen in Industrie, Gebäuden und Rechenzentren hängen direkt davon ab. Freikühlung und adiabatische Systeme lohnen sich vor allem bei niedrigen Werten.
Wirtschaft
Gute Planung spart Ausfälle, Energie und Nachrüstungen. Sie senkt Unfall- und Haftungsrisiken.
Planung
Der Wert lässt sich gut vorhersagen. Schichten, Startzeiten und Lastgänge können vorausschauend gesteuert werden.

Anwendungen nach Branche

Arbeitsschutz und Hitzemanagement
  • Der WBGT-Index nutzt die Feuchtkugeltemperatur zur Risikoabschätzung.
  • Ab etwa 28 °C sind strengere Pausen- und Trinkregeln sinnvoll.
  • Nutzen: weniger Ausfälle und Unfälle, bessere Schichtplanung.
Energie und Kühlung
  • Kühltürme und Verdunstungskühlung werden bei hohen Werten ineffizient.
  • Daumenregel: plus 1 °C kann den Brennstoffbedarf in Anlagen erhöhen. Der genaue Effekt hängt von der Anlage ab.
  • Photovoltaik verliert Leistung bei heißen Zellen. Der Wert korreliert mit der thermischen Last.
Luftfahrt
  • Hohe Werte gehen oft mit geringerer Luftdichte einher. Startstrecken werden länger.
  • Praxis: Starts auf kühlere Tageszeiten legen oder Nutzlast reduzieren.
Landwirtschaft
  • Tierwohl: Milchkühe reagieren sensibel ab etwa 24 °C.
  • Bewässerung: hilft, Verdunstungsverluste einzuschätzen und Zeitpunkte zu wählen.
Rechenzentren und Gebäude
  • Freikühlung und direkte Verdunstung funktionieren gut unter etwa 23 °C.
  • Bei hohen Werten muss mechanische Kühlung früher übernehmen.
Katastrophenschutz und Städte
  • Feuchte Hitzewellen mit Werten nahe 35 °C sind lebensgefährlich.
  • Frühwarnsysteme kombinieren den Wert mit Bevölkerungsdaten und Infrastruktur.
Sport und Events
  • Startzeiten und zusätzliche Trinkpausen nach der Feuchtkugeltemperatur steuern.
  • Abbrüche bei sehr hohen Werten sind ein wirksames Sicherheitsinstrument.

Richtwerte und Ampel

Faustregeln. Verbindlich sind lokale Vorgaben und interne Regelwerke. Arbeitsschwere, Kleidung, Sonne und Wind beachten.

unter 24 °C
  • Meist unkritisch bei leichter Arbeit.
  • Normale Pausen und Getränke einplanen.
24 bis 28 °C
  • Vorsicht bei mittlerer bis schwerer Arbeit.
  • Pausen und Schatten häufiger einplanen.
28 bis 30 °C
  • Kritische Phase. Schichten verlagern.
  • Kühlung, Lüftung, Kühlwesten prüfen.
ab 30 °C
  • Sehr hohe Belastung. Schwerarbeit vermeiden.
  • Notfallplan und enges Monitoring aktivieren.

Hinweis: Rund 35 °C gilt als physiologische Grenze ohne aktive Kühlung.

Messung und Berechnung

Messung
  • Psychrometer mit trockenem und feuchtem Thermometer.
  • Moderne Sensoren mit Ventilation oder Laborwerte.
Berechnung
  • Aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit bewährten Annäherungen.
  • Für Monitoring: Kombination aus stündlichen Prognosen und Stationsdaten.
Feuchtkugeltemperatur und WBGT-Index
  • Feuchtkugeltemperatur ist eine physikalische Größe.
  • Der WBGT-Index ist ein Sicherheitsindex und berücksichtigt zusätzlich Strahlung und Wind.
Feuchtkugeltemperatur und gefühlte Temperatur
  • Gefühlte Temperatur beschreibt, wie warm es sich anfühlt.
  • Für Arbeitsschutz und Technik ist die Feuchtkugeltemperatur oft näher an der Realität.

Praxisleitfaden in Kürze

Vorbereitung
  • Arbeitsplätze einteilen: drinnen, draußen, Sonne, Schatten.
  • Schwellen und Maßnahmen pro Bereich festlegen.
  • Kommunikation und Zuständigkeiten klären.
Heiße Tage
  • Ab 24 °C Wasser, Schatten und Unterweisung sicherstellen.
  • Ab 28 °C Pausen verdichten und Arbeitszeiten verschieben.
  • Ab 30 °C Schwerarbeit verschieben, Notfallplan bereithalten.

Keine medizinische Beratung. Für Maßnahmen gelten lokale Gesetze und interne Richtlinien.

FAQ

Ist das dasselbe wie der WBGT-Index

Nein. Die Feuchtkugeltemperatur ist eine Mess- oder Rechengröße. Der WBGT-Index ist ein Sicherheitsindex und bezieht Strahlung und Wind mit ein.

Warum fühlen sich 30 °C in den Tropen schlimmer an

Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Verdunstungskühlung funktioniert schlechter und die Feuchtkugeltemperatur liegt nahe an der Lufttemperatur.

Kann man den Wert in Hallen nutzen

Ja. Besonders hilfreich ohne Klimaanlage. Zusätzliche Strahlungsquellen gehören in die Gefährdungsbeurteilung.

Wie genau sind Vorhersagen

Für 24 bis 72 Stunden meist robust. Lokale Effekte sind möglich. Darum kombiniert das Monitoring Prognosen und Messdaten.

Quellen und Standards

  • Arbeitsmedizinische Leitfäden wie OSHA und NIOSH sowie nationale Regelwerke.
  • Meteorologische Lehrbücher und Veröffentlichungen zur Feuchtkugeltemperatur.
  • Ingenieurpraxis zu Kühltürmen, Rechenzentren und Gebäudekühlung.

Daten im Monitoring: Vorhersagen wie Open-Meteo plus interne Berechnung. Abweichungen vor Ort sind möglich.

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